| |
Rituale - eine kurze Einführung
Rituale sind etwas sehr persönliches und ich würde
niemandem empfehlen, an einem Gruppenritual teilzunehmen, der sich nicht
vorher bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt und selbst experimentiert
hat. Und selbst wenn man Erfahrung hat, sollte man sehr genau darauf
achten, mit wem man da im Kreis steht. Es kann sonst schnell passieren,
dass man ohne es zu merken in Richtungen mitgerissen wird, in die man
eigentlich gar nicht wollte.
Jedweder Gruppenzwang, der von den Teilnehmern verlangt,
phantasievolle Roben oder wahlweise gar nichts zu tragen, grundsätzlich
in den Wald oder einen zu diesem Zweck errichteten Tempel zu gehen,
einen Sack voller magischer Werkzeuge mit sich herumzuschleppen, Hohenpriesterin
oder Tempelmeister anzubeten bzw. abzuknutschen, auf unschuldige Gongs
einzudreschen, immer zu dreizehnt zu sein, umständliche Reinigungen
und Bannungen einschließlich des Götternamenbrüllens
durchzuführen etc. pp. sollte einen hellhörig machen.
Natürlich muss man sich, will man ein Ritual in
der Gruppe durchführen, auf einen bestimmten Ablauf und andere
Konventionen einigen. Diese sollten aber niemals zum Selbstzweck werden
und jederzeit in Frage gestellt werden dürfen - im Zweifelsfall
auch während des laufenden Rituals.
Patentrezepte gibt es nicht - aber immerhin so etwas wie ein Grundgerüst,
aus dem ein wirksames magisches Ritual normalerweise bestehen sollte.
Die weiteren Zutaten bleiben weitgehend den Vorlieben der Gruppenmitglieder,
der eigenen Kreativität und dem jeweiligen Zweck der Veranstaltung
überlassen. Anregungen zur Ausgestaltung findet man in der einschlägigen
Literatur und im Internet genug. Hier daher nur ein paar allgemeine
Hinweise.
Der Schutzkreis
Der Schutzkreis ist die Grundlage für jedes Ritual
und jede Art von magischer Arbeit. Daher ist dies das erste, was eine
Hexe beherrschen sollte, bevor sie sich mit komplizierteren Aktionen
beschäftigt. Wichtig ist, im Vorfeld die vier Elemente und ihre
Zuordnungen begriffen zu haben und außerdem sollte man das Visualisieren
geübt haben.
Wenn ich alleine zuhause naturmagisch arbeiten will, ziehe ich den Kreis
manchmal folgendermaßen (frei nach Starhawk, sozusagen): Zunächst
erde ich mich, indem ich mir vorstelle, ich sei ein Baum, der seine
Wurzeln tief in die Erde gräbt und seine Äste in den Himmel
reckt. Wenn das nicht gelingt (manchmal fühlt man sich einfach
nicht wie ein Baum) reicht es auch sich vorzustellen, wie Kraft aus
der Erde in die Wirbelsäule steigt und aus dem Scheitel wieder
austritt. Gleichzeitig tritt Kraft durch den Scheitel ein und fließt
die Wirbelsäule hinab in die Erde. Du kannst Dir dazu einen Stern
vorstellen, der über Dir steht und sein Licht hinabsendet. Wenn
das Visualisieren nicht gleich klappt, ist das nicht so schlimm - normalerweise
merkst Du, wenn Du geerdet bist. Ich fühle so etwas z.B. eher,
als dass ich es sehe. Wichtig ist nur, dass Du in Dich hineinhorchst
und darauf achtest, was Du siehst, hörst oder spürst - mit
der Zeit bekommt man dann ein Gefühl dafür.
Wenn Du Dich geerdet und verwurzelt fühlst, kannst Du mit dem Ziehen
des Kreises beginnen. Dazu könntest Du Dir vorstellen, wie Du diesen
Kreis mit einem Schwert oder einen Dolch in der Luft beschreibst - oder
dies tatsächlich tun, sofern Du eine magische Waffe besitzt (ansonsten
tut's auch ein Küchenmesser - oder Zeige- und Mittelfinger). In
jeder Himmelsrichtung wird dann das dazugehörige Element angerufen.
Meist wird geraten, zu diesem Zweck ein Pentagramm zu ziehen, welches
das Tor zum betreffenen Element bildet. Zu diesem Zweck visualisierst
Du, wie Deine magische Waffe bei ihren Bewegungen durch die Luft eine
Lichtbahn hinterlässt, die den Kreis und die Pentagramme bildet.
Das ist auch praktisch, weil Dir so sofort auffällt, wenn der Kreis
nicht geschlossen ist.
Ich rufe die Elemente häufig an, indem ich sie mit einem kleinen
Spruch begrüße und sie mir vorstelle - möglichst mit
allen Sinnen. Im Osten sehe ich z.B. blühende Bäume im Morgenlicht.
Der Wind fährt durch ihre Kronen und treibt weiße Blütenblätter
in den Himmel. Ich spüre einen kalten Hauch im Gesicht. Ich höre
die Bäume rauschen. Ich rieche den Duft des Frühlings... Es
ist hilfreich, zunächst über die einzelnen Elemente zu meditieren
um herauszufinden, was man mit ihnen verbindet. Dabei solltest Du Dich
nicht zwingend an irgendwelche Entsprechungstabellen halten. Diese können
am Anfang hilfreich sein, um die traditionelle Zuordnung der Elemente
zu verstehen, aber irgendwann musst Du Deinen eigenen Zugang zu ihnen
finden. Es gibt sowieso unterschiedliche Traditionen die Zuordnung von
Elementen und Himmelsrichtungen betreffend - es ist am besten, mit den
Entsprechungen zu arbeiten, die Dir am meisten liegen.
So, wie Du die Elemente bei der Anrufung begrüßt und sie
bittest, Dir bei dem, was Du vorhast, zu helfen, so musst Du sie auch
am Ende wieder verabschieden. Es ist wichtig, den Kreis am Ende des
Rituals aufzulösen, um wieder in die Alltagswelt zurückzukehren.
Ich gehe die Elemente dafür in umgekehrter Reihenfolge durch, bedanke
mich bei ihnen und lasse die Bilder und Gefühle verblassen. Danach
ist es wichtig, die restliche Energie, die noch im Körper ist,
in die Erde fließen zu lassen. Das tust Du am besten, indem Du
Dich auf den Boden legst und alles aus Dir herausfließen lässt.
Diese Art, den Kreis zu ziehen, empfielt sich auch für Menschen,
die magisch noch nicht sehr erfahren sind. Man kann sicherlich auch
Elementargeister oder Erzengel anrufen und Gottesnamen vibrieren; ich
denke allerdings, daß man sich dafür mit diesen auseinandergesetzt
haben sollte, denn wenn man mit ihnen nichts verbindet, dann wird der
Kreis sehr blass werden.
Wenn man das Visualisieren des Schutzkreises lange
genug geübt hat, kann man sich die Umstände mit Bäumen
und Pentagrammen oft auch sparen, das Erden und der Aufbau des Kreises
geschehen dann fast von selbst, in dem Moment wenn man an diese Vorgänge
denkt. Trotzdem ist es wichtig, einige Augenblicke in sich zu gehen,
um ruhig und konzentriert zu werden, bevor man mit der magischen Arbeit
beginnt.
In der magischen Literatur ist übrigens häufig
davon die Rede, dass eine Bannung durchgeführt werden müsse
- die Pentagramme werden dann z.B. in bannende und anrufende aufgeteilt,
je nachdem in welche Richtung sie gezogen werden. Ich habe solche Aktionen
in der Hexerei nie gebraucht und halte sie auch für eher kontraproduktiv,
denn gerade Naturmagie ist Kommunikation mit der Umwelt, nicht Abgrenzung
von dieser. Wenn überhaupt etwas gebannt werden muss, so sind dies
störende Gedanken und Emotionen - aber da ziehe ich eine kleine
Meditation vor Ritualbeginn allemal vor.
|
|