[magie] - ein Definitionsversuch

"Magie ist die Vorstufe wissenschaftlichen Denkens. Sie geht von einem Kausalzusammenhang aller Dinge aus. Der Unterschied zur Wissenschaft besteht darin, daß dieser Kausalzusammenhang nur willkürlich angenommen und nicht durch das Experiment oder die Erfahrung verifiziert wird. Magie will Herrschaft über Dinge und Menschen erringen."
(www.religio.de)

"Die wahrhaftige Magie ist eine Wissenschaft, die die Kraft aller natürlichen und himmlischen Dinge lehrt, und nachdem man dieselbe durch scharfes Nachdenken erforscht und bearbeitet hat, bringt sie die verborgenen und hinterhaltenden Kräfte an den Tag, dass dadurch große Wunder gewirkt werden."
(Paracelsus)

"Magie ist die Kunst, die Sinnenwelt willkürlich zu gebrauchen, und der magische Idealist ist derjenige, der ebensowohl die Gedanken zu äußeren Dingen wie äußere Dinge zu Gedanken machen kann."
(Novalis)

"Die Magie ist ein System psychologischer Techniken, die uns helfen können, unser Inneres tiefer zu erforschen."
(Israel Regardie)

"Magie ist die Wissenschaft und Kunst, Veränderungen in Übereinstimmung mit dem Willen herbeizuführen."
(Aleister Crowley)

"...die Kunst Bewußtseinsveränderungen in Übereinstimmung mit dem Willen zu verursachen."
(Dion Fortune)

"...die Veränderung realer Wahrscheinlichkeiten durch psychische Mittel."
(Michael D. Eschner)

"Magie heißt unmögliche Dinge tun."
(Frater VD)

"Die Magie lehrt uns zu unterscheiden, in welche Richtung und auf welcher Ebene die Energie der natürlichen Zeit fließt und welche Möglichkeiten sie uns im Augenblick bietet."
(Marian Green)

 

...Wisse...

Viele Esoteriker denken, dass Magie mit "Energiearbeit" zu tun habe, was immer genau sie darunter verstehen mögen. Materialisten halten die Magie für Aberglauben, Fanatiker unterschiedlichster Couleur für Teufelswerk oder auf jeden Fall für abgrundtief böse. Junghexen, die zuviel "Charmed" geschaut haben, träumen davon, übersinnliche "Fähigkeiten" zu besitzen und die meisten Leute sind zumindest davon überzeugt, dass es schwarze und weiße Magie gebe, wobei die schwarze irgendetwas mit Dämonen und Voodoo, die weiße mit Licht und Liebeszaubern zu tun habe. Die klassische Einstellung eines Anfängers ist daher, "nur weiße Magie" lernen zu wollen, und ja niemandem zu schaden.

Wenn Du Dich wirklich mit Magie beschäftigen möchtest, solltest Du Dich mit solch oberflächlichen Aussagen nicht zufrieden geben. Überhaupt wird es wenig bringen, sich auf die Meinungen Dritter zu verlassen. Willst Du wissen, was Magie ist? Dann finde es selbst heraus! Dazu gibt es, grob gesagt, zwei Wege. Entweder kannst Du Dich durch die einschlägige Literatur lesen, wobei Du auch kritische und wissenschaftliche Abhandlungen zum Thema nicht vergessen darfst. Dabei solltest Du darauf achten, Dich gerade am Anfang nicht zu sehr von einzelnen Werken beeinflussen zu lassen. Der esoterische Büchermarkt wird von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und viele Stümper und Scharlatane versuchen, auf diese Welle aufzuspringen, um ein wenig Geld damit zu verdienen. Durch Nachdenken und Vergleichen wirst Du selbst herausfinden, auf welche Autoren Du Dich stützen kannst, und auf welche nicht.

Der zweite Weg heißt: selbst ausprobieren! Es ist heutzutage kein Problem, Informationen über die Durchführung magischer Handlungen - seien es nun hochkomplizierte Rituale oder einfache Kräuter-Zauber - zu bekommen. Hier gibt es genug Möglichkeiten, in die Magie einzusteigen. Allerdings solltest Du mit den grundlegenden Übungen anfangen und nicht sofort umwerfende Ergebnisse erwarten. Und dass Du schlau genug bist, Dich nicht "zum Spaß" auf Tisch-Rückereien und Dämonenbeschwörungen einzulassen, setze ich einfach mal voraus. Das beste wird trotzdem eine Kombination beider Wege sein, wobei die Theorie der Praxis ein wenig vorangehen sollte, um wenigstens grob zu wissen, worauf man sich eigentlich einlässt.

...Wage...

Bevor Du anfängst, mach Dir bitte klar, dass Magie ein Wagnis ist. Wenn Du Magie ausübst, wird sie auf jeden Fall einen Effekt auf Dein Leben haben, und es ist ungewiss, wieviel Du damit ins Rollen bringst. Am Anfang vielleicht gar nichts - eventuell kriegst Du auch sofort einen Knacks fürs Leben, weil irgendetwas überraschenderweise funktioniert. Wenn es also eigentlich nur darum geht, dass Dir langweilig ist oder Du mit Freunden eine Wette laufen hast... dann lass es lieber ganz. Möchtest Du dagegen eine neue Richtung in Dein Leben bringen oder fühlst Du von magischen Themen eine starke Faszination ausgehen, dann ist dies vielleicht der richtige Weg für Dich.

Gleich noch eine Warnung: In der Magie geht es nicht darum, einfach und schnell zu Ehre und Ruhm zu kommen. Wenn Dir vor allem daran gelegen ist, Deine materiellen Ziele zu verwirklichen und/oder Macht über andere auszuüben, dann wirst Du früher oder später eine böse Überraschung erleben. Und damit meine ich nicht einmal den platten Mythos vom dreimal-auf-Dich-Zurückfallen. Nein, die erste Lektion wird sein, dass Magie Arbeit bedeutet, und dass man als Anfänger nicht bloß mit dem Finger schnippsen muss - und schwupps ist alles so, wie man es haben möchte. Das wäre doch auch langweilig! Wenn Du fortschreitest, werden Dir manche Dinge tatsächlich mit der Zeit leichter fallen, und viele Hindernisse können sich nach und nach in Luft auflösen. Aber gleichzeitig werden neue Probleme auf Dich zukommen - der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, und umgekehrt ist es genauso. Der Weg des Magiers führt immer wieder in Richtung Abyss.

...Wolle...

Noch ein Wort zur Machtausübung: Sie ist eine der bösesten Fallen für Magier (die andere ist, so sagt man, Paranoia). "Tu was Du willst" heißt nicht "geh über Leichen". Es heisst auch nicht, dass Du Deinen Gelüsten und Trieben blind folgen sollst. Magie ist ein Entwicklungsweg, der Dich überhaupt erst dazu führt, Deinen "wahren Willen" zu finden. Im Grunde genommen sind alle magischen Techniken, alle Rituale, Exerzitien und Alltags-Zaubereien nur Etappen auf dem Weg in Richtung Deines innersten Kerns. Wenn man Magie so betrachtet, scheint sie sich der Mystik anzunähern - jedoch ist der Unterschied, dass magische Handlungen durchaus auch als Selbstzweck gesehen und die praktischen Effekte aufs tägliche Leben geschätzt werden. Man darf bloß die Prioritäten nicht allzu stark zugunsten dieser Effekte verschieben, sonst läuft man Gefahr, in eine der erwähnten Fallen zu tappen.

...Schweige...

Es liegt mir fern, anderen Menschen moralische Vorschriften aufzudrücken oder einen "einzig wahren Weg" zu postulieren. Wenn Du ernsthaft in die Magie einsteigen möchtest, dann tu es - mit allen Konsequenzen. Du wirst dann die Gelegenheit haben, Dir Dein eigenes Bild zu machen, Deine eigene Definition zu finden und vielleicht Deine eigene Welt zu erschaffen.

Berlin, im Juni 2003